Dinner for One – Wie ein Restaurant-Besuch zum Luxus der besonderen Art wird

„Haben Sie einen Tisch für eine Person?“

„Klar, gerne, bitte folgen Sie mir.“ Wie oft ist mir das passiert? Oft! Und, ich liebe es allein in ein volles Restaurant zu gehen. Oft auch aus der Notwendigkeit heraus, dass ich regel­­mäß­ig allein unterwegs bin und das Ausprobieren von Restaurants Teil der Wine­buddys-Scouting-Touren ist. Aber auch, weil es mir Spaß macht. Schon beim Vor­bei­gehen werde ich magisch angezogen: von den Menschen, vom Dröhnen der offenen Küche, dem Gewimmel, dem Chaos auf den Tischen, dem Klappern von Pfannen, dem Geräusch von vielen Stimmen, Lachen, Gesti­kulieren, hektischen Kellnern. Ich suche mir nach Möglichkeit einen Platz an der Bar und genieße den Ausblick und die Akustik des geschäftigen Treibens um mich herum.

Wenn es mir keinen Spaß machen würde, alleine zu essen, wenn ich auf den heute pas­senden Mitesser, Zeitpläne, Absprachen und Outlookeinträge warten würde; ich würde viele der besuchenswerten Lokale, die Portugals unermüdliche Restaurant­szene immer wieder hervorbringt, nicht besuchen. Wenn niemand verfügbar ist; ich gehe trotzdem. Erst kürzlich als ich einen Tisch im Plano reserviert hatte. Am Nachmittag: „Axel, es tut mir so leid, aber ich muss für heute Abend absagen, weil… „. Äh? Was? Die wertvollste Reser­vierung des Wochenendes und ich sah der sehr realen Möglich­keit entge­gen, stornieren zu müssen. In Ernst? Nö, das passiert nicht. Ich ging allein und verbrach­te einen sensatio­nellen Abend mit dem Sommelier, der Kellnerin später auch mit dem Chef, probierte aus jeder Flasche, die offen war und war schließlich der letzte Gast der das Lokal verlies. Ein super Abend, an den ich gerne zurückdenke.

Ein Satz, der immer noch nachhallt und den Genuss einer vermeintlich einsamen Mahlzeit treffend zusammenfasst, fiel mir ein, als ich allein im Novo Carvalho speiste und mich mit dem Besitzer unterhielt: „Allein zu essen ist ein Luxus“, sagte er. Das war’s. Ein Luxus. Was für eine schöne Art, darüber nachzudenken: Etwas, das man zu schätzen weiß, in dem man schwelgen und das man genießen kann.

„Allein zu essen ist ein Luxus“


Dieser Lobgesang auf die Freuden des Essens ohne Begleitung mag wie das Gezeter eines misanthropischen Einzelgängers klingen, ein kläglicher Versuch, ein mit zwei Fingern geschnipptes „Leck mich“ in Richtung der schnatternden Tische. Dem ist nicht so. Recht häufig bin ich in Restaurants in Begleitung von zwei, vier, sechs und mehr Menschen. Nein, es ist eher mein vielleicht unge­wöhnlich häufiger Wunsch in ein Restaurant zu gehen, auch wenn gerade kein mir be­kannter angenehmer Zeitge­nosse mitkommt. Um mich an der magischen Restau­rant-Alchemie berauschen, an einem vibrierenden Raum, dem Surren von Tellern, die aus der Küche kommen, dem wohlklingenden „Plop“ im Raum, wenn eine Flasche Schampus geöffnet wird, die Gläser Wein anschlagen, die Stimmen lauter werden. Wenn man das Gefühl hat, im besten Theater der Welt zu sein. Mit einer Unzahl von Ablenk­ungen, in die man sich vertiefen kann. Eine Luxuserfahrung eben. <>