BYOB: Von tollem Wein ohne tolle Weinkarte und Omas aus Lissabon

Heute mal wieder etwas praktische Genuss-Lebenshilfe: Was tun, wenn Restaurant und Essen super sind, die Weinkarte aber nicht? Die Lösung: BYO(B) – Bring your own (Bottle). Das heißt, ihr bringt mit Einverständnis des Restaurants euren eigenen Wein mit und bezahlt ein „Korkgeld“. Hier gibt’s Beispiele und die Dos & Don’ts. Und ihr erfahrt, wie eine Lissabonner Oma ihre Restaurant-Kunden begeistert.

Eins meiner Lieblingsrestaurants lässt sich so beschreiben: Sau-gemütlich, guter Service, innovative Karte und experimentiertfreudiger Chefkoch – jedoch eine Weinkarte, na ja. (Der Chef hat kein Wein-Interesse und gibt sich keine Mühe.)

Gleich bei der Reservierung vor dem ersten Besuch, warf ich einen Blick auf Speise- & Weinkarte. Erstere: super! Zweitere: geht gar nicht, schade. „Die Weinkarte trifft nicht so recht meinen Geschmack, ist es möglich, eigenen Wein mitzubringen und ein Korkgeld zu zahlen?“ „Klar, gerne, 20 EUR pro Flasche.“ Wow, so problemlos erlebe ich dies selten, der Laden war damit schon auf der Liste meiner Lieblingsrestaurants.

Im Lissabonner Stadtteil Cais de Sodre ist man schon weiter: Hier gibt es ein kleines, sehr(!) einfaches Restaurant, in dem Oma sensationell für Kunden mit wenig Geld aus der Nachbarschaft kocht. Für ausgefallene Weine hat hier niemand ein Gespür. Aber da ich dort Stammgast bin und auch gerne Gäste mitbringe, kennt mich Oma und weiß auch, um meine Leidenschaft für sehr gute portugiesische Weine. Sie sprach mich direkt auf das Thema an: „Ich weiß, ich koche gut, aber wir haben hier nur einfachen, günstigen Wein. Bring doch für Deine Gäste deinen eigenen Wein mit, ich glaube dann kommt ihr noch öfter.“ Oma weiß, wie man Kunden begeistert.

Hier also ein bisschen „Etikette“ rund um BYOB:

Dos:
👏 Kläre vorher, ob es möglich ist eigenen Wein mitzubringen und wie die Korkgeld-Regelung aussieht.
👏 Biete dem Service unaufdringlich ein Glas an oder lasse ein Glas in der Flasche. Oft haben die Servicemitarbeiter Lust etwas Neues zu probieren und darüber zu plaudern.
👏 Gib großzügigTrinkgeld, so als ob er Wein (nicht nur das Korkgeld) auf der Rechnung steht.
👏 Bestelle großzügig andere Getränke von der Karte: Cocktails zu Start und Digestif.
👏 Bring den Wein richtig temperiert mit (eventuell mit Kühlmanschette).
👏  Sei besonders nett zu dem Servicemitarbeiter (ja, klar seid ihr sowieso), die eigene Flasche mitzubringen, ist nicht selbstverständlich, sondern ein großes Entgegenkommen.

Don‘ts
⚡ Bring keinen Wein mit, der auf der Weinkarte des Restaurants steht.
⚡ Erwarte nicht das „volle Programm“: Dekantieren, Kühler, Eiswürfel, wechselnde Weingläser mit jeder Flasche. (Obwohl, das oben genannte Restaurant das stets macht.)
⚡ Übertreibe es nicht: Mehr als eine (na gut 1,5) Flasche pro Person am Abend sollte es nicht sein. Und gehe nicht davon aus, dass sich das Korkgeld auf eine Magnum oder eine Doppelmagnum bezieht.

So, mit diesen Tipps seid ihr vorbereitet, um euren nächsten Restaurantbesuch weintechnisch zu pimpen. Wir sagen: Saúde!